naturschutz nein danke

Archive for June, 2006

Rettet die Meere?

Friday, June 30th, 2006

Viele Menschen lieben das Meer. Und zwar hauptsaechlich den Strand. Schoen soll er sein, sicher, sauber und moeglichst unberuehrt.
So etwa:

strand malediven

Weil natuerlich jeder zu so einem unberuehrten Strand reisen will, sieht es dann in der Praxis leider meistens so aus:

ueberlaufener strand

Die Meere sind aber bedroht:

* industrielle Fischerei dezimiert die Fischbestaende

* Aquakulturen, vielfach als Alternative gepriesen, zerstoeren Mangrovenwaelder, oft die Lebensgrundlage der Einwohner und sind unglaublich verschwenderisch. Fuer ein Kilo Zuchtlachs werden etwa vier Kilo Fisch verfuettert.

* der Klimawandel veraendert Meeresstroemungen, der Meeresspiegel steigt und ueberflutet Landflaechen, und Temperaturveraenderungen des Meerwassers bedrohen ganze Tierarten, die unter den veraenderten Bedingungen nicht leben koennen.

* Verschmutzung: die Meere sind der Welt groesster Abfallhaufen
Spektakulaere Bilder von Tankerunfaellen gehen um die Welt. Zu besonderer Beruehmtheit hat es die EXXON VALDEZ gebracht, aber das ist nur ein Tanker von vielen. (Tankerunfaelle)

Oelpest

Und diese Tankerunfaelle sind zwar spektakulaer und erhalten viel Aufmerksamkeit, aber ihr Beitrag zur Verschmutzung der Meere ist verschwindend gering im Vergleich zu Haushalts- und Gewerbeabwaessern, staedtischen und industriellen Abflussrohren, Freisetzungen durch Unfaelle oder Explosionen, Verklappung auf See, Rueckstaenden aus dem Bergbau, Duengern und Pestiziden aus der Landwirtschaft, Abwaerme und radioaktiven Muell.

Alleine beim Betrieb der russischen Kriegsmarine fallen jaehrlich ca. 20.000 cbm fluessige und 6.000 cbm feste radioaktive Abfaelle an.
Tausende Container, dazu hunderte Schiffe und U-Boote, in denen sich noch Reaktoren und Kernbrennstoffe befinden, wurden schon – vor allem in der Karasee und Barentssee, aber auch in die fernoestlichen Meere – versenkt.

Das Phytoplankton der Meere produziert etwa 50% des Sauerstoffs der Erde. UV-Strahlen (Ozonloch) und Temperaturerhoehungen fuehren zum Sterben des Planktons. Weniger Plankton bedeutet wiederum eine Erhoehung des Kohlendioxidanteils der Atmosphaere und damit eine weitere Erwaermung. Ein unangenehmer Kreislauf. Ausserdem kommen etwa 15% des vom Menschen verbrauchten Eiweisses aus dem Meer.

Andererseits – seit ca. 3,5 Milliarden Jahren gibt es Leben im Meer, trotz Hitzeperioden und Eiszeiten, der Verschiebung der Kontinente und des Untergangs und der Neuentstehung von Weltmeeren. Und es gibt Leben auch dort, wo man es nicht erwarten wuerde – Bakterien und Roehrenwuermer etwa in der Tiefsee in der Naehe der “Black Smokers” – Erdspalten, aus denen 300 Grad heisses Wasser aufsteigt und grosse Mengen an Schwefel freigibt, der die Nahrungsgrundlage der Bakterien bildet – und die in einer erstaunlichen Symbiose in Roehrenwuermern leben, die nicht mal ein eigenes Verdauungssystem haben, und diese ernaehren.

Wenn Leben die Jahrmilliarden ueberdauern und unter solchen extremen Bedingungen existieren kann, besteht da wirklich die Gefahr, dass die Meere sterben?

Der Aralsee, noch 1960 ein grosses Binnenmeer, ist bis 1998 um die Haelfte seiner Flaeche geschrumpft. Das Volumen ist auf ein Viertel zurueckgegangen, der Wasserspiegel um 26 Meter gefallen und das Ufer um ca. 100km zurueckgewichen. Der Aralsee hat sich in zwei Teile gespalten, einen noerdlichen kleineren und einen groesseren suedlichen Teil, wobei der Salzgehalt im grossen See fortwaehrend steigt und 2003 das 2,4fache des Meerwassers (87 g/l) erreicht hat. Damit ist der See biologisch tot.
In weiteren 70 Jahren wird er voraussichtlich ganz verschwunden sein.

schiff aralsee
Dieses Schiff befuhr einst den Aralsee – jetzt liegt es mitten in einer Wuestenlandschaft.

Wenn die Ozeane leergefischt, radioaktiv verseucht und verschmutzt werden, ist das eine Naturkatastrophe?
Nicht unbedingt – im Laufe der Jahrmillionen werden die Meere sich voraussichtlich erholen und das Leben wird sich ueberall verbreiten, wo sich auch nur die kleinste Chance bietet.

Und selbst wenn nicht – ist nicht auch diese Salzwueste Natur?

salzwueste

Die Natur hat wohl kein Problem mit ein bisschen Verseuchung, Verschmutzung, oder selbst totaler Vernichtung der Meere.
Aber wie sieht es mit dem Menschen aus? Kann die Menschheit auf die Haelfte des Sauerstoffanteils in der Atmosphaere verzichten?
Kann die Menschheit auf 15% des konsumierten Eiweisses verzichten?

Oder – weniger abstrakt und langfristig gefragt – willst Du Deinen Urlaub an einem weissen Sandstrand und blauen Meer verbringen, oder an einer oelverseuchten Muellhalde, an der sich eine stinkende, radioaktiv strahlende, tote Kloake bricht?

Rettet die Meere? Nein. Rettet den Menschen!
Naturschutz ist Menschenschutz!

 
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